Ausbildung nach Gottfried
Dildei
Ziel ist das schrittweise
Suchen von Tritt zu Tritt. Das Tempo des Hundes wird nicht durch die Leine
beeinflußt, sondern der Hund bestimmt das Tempo selbst.
Beim Legen müssen wir
erreichen, daß der Bodengeruch dominiert. Dies gelingt durch Legen der Spur in
weichem Boden. Möglichst kein Bewuchs. Der Individualgeruch verfängt sich im
Bewuchs. Wenn der Hund so seine Belohnung und Befriedigung findet, wird er dies
mit diesem Typ der Fährte verknüpfen und so langsam und korrekt von Tritt zu
Tritt suchen. Wir müssen den Hund motivieren, daß er für längere Zeit
konzentriert sucht. Die Konzentration ist von der Geschwindigkeit abhängig,
deshalb muß erreicht werden, daß er langsam sucht. Es muß dafür gesorgt werden,
daß der Hund über lange Zeit fehlerfreie, konzentrierte Fährten sucht. Dies
erreichen wir durch Schaffen günstiger Voraussetzungen, einfache Fährten legen.
Motivation hoch halten. Häufiger Fehler ist ein zu schnelles Steigern der
Schwierigkeit.
Der Hund soll die Fährte
ohne unsere Hilfe und Korrektur selbst finden. Denn diese sind oft die Ursache
für Probleme auf der Fährte.
1. Richtiges Gelände
2. Den Hund sorgfältig
auf die Fährte vorbereiten und ruhig an die Fährte heranführen
3. Das Legen der Fährte
(Aufbau der Fährte)
zu 1. Nur weichen Acker
verwenden, sichtbare Tritte. Gute Kontrolle. In den tiefen Eindrücken
bildet sich starker
Bodengeruch. Es ist anscheinend nicht so schlimm, wenn der Hund
die Tritte sieht. Er
sieht sie aus einer anderen Perspektive. Denn er kann nicht so weit
sehen. Er lernt nicht,
mit den Augen zu suchen. Dominierend ist seine Nase.
Vorteil der tiefen
Eindrücke ist, daß der Hund seine Nase tief in diese stecken muß, um
das Futter zu holen und
nimmt so dann intensiv Witterung auf. Die Futterbrocken liegen
tief im Hacken des
Trittes, so kann der Hund diese nicht zu früh sehen.
Die Futterstücke müssen die
richtige Größe haben. Sind sie zu groß, wird der Hund durch Kauen abgelenkt und
überläuft einige Tritte. Sind sie zu klein, ist das Interesse
am Futter zu gering.
Wichtig ist auch eine auf den Hund abgestimmte Schrittlänge. Sind sie zu kurz,
erreicht man eine Ungeduld/Hektik im Hund. In Folge überläuft er wieder
einige Tritte. Lange
Schritte lassen einen Hund ruhig und flüssig suchen. Durch Futtergröße und
Schrittlänge bestimmt man die Geschwindigkeit durch die Leine.
Es ist unsere Aufgabe, durch
das richtige Legen der Fährte den Stil des Suchens zu beeinflussen und so für
den Hund angenehm zu machen, auf den Hund abzustimmen. Die Schrittlänge soll
normal sein, genauso wie der seitliche Abstand. Beim Absuchen beobachtet man
den Hund. Sucht er zu schnell, ist die Schrittlänge bzw. das Futter zu
vergrößern. Als Futter eignen sich kleine Stücke Saiten.
Der Abgang soll nicht wie
traditionell aus einem Dreieck, auf dem wahllos Futter ausgestreut wird
bestehen, dort sieht der Hund das Futter zu stark. Sondern soll der Abgang aus
einigen dicht beieinanderliegenden parallelen Tritten bestehen, in die jeweils
ein Futterbrocken gelegt wird.
Anfänglich soll die Fährte
nur aus diesem Abgang, einigen Metern Fährte und dem Ende, daß ebenfalls aus 2
parallelen Tritten besteht, bestehen. Das Ende soll zwar schon etwas Futter
enthalten, aber nicht zu viel. Die Motivation soll das Futter auf der Fährte
sein und nicht das Futter am Ende. Auch soll am Ende nicht gespielt werden.
Dildei sucht nur alle 4 Wochen mit einem Hund Er fängt erst an, wenn ein Hund
erwachsen ist. Er meint, daß ein so junger Hund sehr schnell überlastet werden
kann.
Der Hund soll ruhig und
zügig angesetzt werden. Hat der Hund den ersten Brocken erreicht, so ist es
wichtig, die Leine locker zu lassen. Eine zu straffe Leine schafft zu viel
Drang nach vorne. Es sollte auch nicht zu stark eingewirkt werden, so daß er
nicht hektisch wird. Nimmt der Hund nicht sofort die Fährte auf, sollte der
Hundeführer nicht helfen und sollte ruhig sein. Der Hund soll selbst die
Initiative ergreifen. Weicht der Hund von der Fährte ab, sollte nur mittels
Leine sanft eingewirkt werden, der Führer verhält sich still. Der Hund muß von
Anfang an lernen, selbst und ohne Hilfe die Fährte zu finden. Wir schaffen für
den Hund günstige Voraussetzungen, damit er sich selbst lehrt. Wir lassen den
Hund auf der Fährte alleine und beobachten ihn gut. Hat er Probleme, müssen wir
die nächste Fährte optimaler legen. Wir beeinflussen den Hund nicht durch
Leine, Halsband oder sprechen, sondern durch das Legen der Fährte. Selbst wenn
der Hund die Nase hebt, bleibt der Führer ruhig und beeinflußt den Hund nicht,
wartet bis er die Fährte selbst wieder aufnimmt. Am Ende lassen wir den Hund
das Futter fressen und führen ihn ruhig von der Fährte. Ist der Hund auf der
Fährte zu hektisch, kann man versuchen, ihn vorher zu füttern. Drängt der Hund
zu sehr zu Ansatz, kann man versuchen, den Hund mit Futter abzulenken. Keine
Einwirkung mittels Leine. Sucht der Hund zu schnell, findet aber jeden Brocken,
so unternehmen wir nichts. Sucht er aber zu schnell und überläuft einige
Tritte, will er schnell zum Ende. anfänglich verringern wir den Seitenabstand
der Tritte (ihm ist es zuviel, den Kopf von links nach rechts zu bewegen), so
daß sie fast in einer Linie sind. Reicht dies nicht, vergrößern wir die
Schrittlänge mit möglichst wenig Seitenabstand. Wird er langsamer, legen wir
wieder normal.
Laut Dildei ist das
Trainieren der Ausdauer nicht so wichtig wie die Korrektheit.
Wenn der Hund eine 60 – 80
Schritt lange Gerade korrekt und konzentriert absucht, jeden Futterbrocken
findet und aufnimmt, können wir mit Winkel beginnen. Auch dabei ist es wichtig,
daß der Hund diesen selbst ohne unsere Hilfe findet. Es ist wichtig, wie wir
den Winkel legen. Es ist darauf zu achten, daß sich der Winkel in das
rechts/links der Tritte einfügt.
Nach dem Winkel werden 20 –
30 Schritte gelegt, dann beendet mit einem Doppeltritt. Überlauft der Hund
einen Winkel, bleibt der Führer ruhig stehen, er sollte selbst wieder
reinfinden. Gesamtlänge der Fährte ca. 100 Schritte, ein Winkel in diesem
Stadium. Nicht viele Winkel üben, sondern weniger, dafür aber korrekt.
Beherrscht der Hund die
Winkel, soll mit den Gegenständen begonnen werden. Das Platz sollte mittels
Motivation gelehrt sein und sollte keinen Streß erzeugen. Begonnen wird dies,
indem man einen relativ großen Gegenstand ca. 20 Schritte nach dem Winkel in
einen Tritt legt (Ende der Fährte). Darauf wird etwas Futter gelegt. Kommt der
Hund an den Gegenstand, wird er anhalten und das Futter fressen. Wir treten
neben den Hund, halten ein der geschlossenen Hand Futter vor dem Hund auf den
Gegenstand. Legt sich der Hund, wird der durch Öffnen der Hand belohnt. In
dieser Position wird der Hund durch vermehrtes Füttern stabilisiert. Nach dem
Aufnehmen des Gegenstandes wird der Hund weitergefüttert. Gefüttert wird nicht
aus der Hand, sondern vom Boden (Gegenstand).
Sucht der Hund eine Fährte
mit einem Winkel + Gegenstand, können wir dazu übergehen, einen 2.Winkel zu
legen. Max. 200 Schritt. Die Liegedauer ist lt. Dildei nicht so wichtig. Dauer
ca. 15 Minuten.
Wird auch der 2. Winkel
korrekt abgesucht, wird ein 2. Gegenstand eingebaut. Dieser wird ca. 30
Schritte nach dem 1. Winkel abgelegt. Mit Futterbrocken. Legt sich dabei der
Hund auf den Gegenstand, liegt es meist an dem Futter in der weiterführenden
Fährte. D. h. es soll in den ersten 2/3 Schritten nach dem Gegenstand kein
Futter liegen. Liegt der Hund, wird er wieder durch Füttern stabilisiert, dabei
legt man sichtbar für ihn einige Futterbrocken in die leeren Tritte, darauf
folgt das Hörzeichen zum Suchen. Jetzt sind wir soweit, daß weitere
Schwierigkeiten eingebaut werden können: Spitze Winkel, Bewuchs,
Bögen, Verleitungen.
Aber immer nur so viel, daß der Hund immer noch korrekt sucht. Noch nicht wird
das Futter abgebaut.
Um dem Hund das Suchen mit
dem Auge abzugewöhnen, werden Verleitungen gelegt. Läuft der Hund in eine
Verleitung, lassen wir ihn ruhig einige Schritte laufen, bald merkt er, daß
dort kein Futter liegt und korrigiert sich selbst. Läuft er zu weit, wird
mittels Leine leicht eingewirkt, sollte aber nicht die Regel werden. Wird
allmählich auf Gras umgestellt, wird der Anfang und das Ende trotzdem im Acker
sein.
Um eine gewisse Sicherheit
zu bekommen, muß ein Hund auch ab und zu mit der Leine korrigiert werden. Aber
nur, wenn er die Fährte verläßt, ohne es anzuzeigen. Deshalb ist es wichtig,
den Hund ständig zu beobachten. Auch ein zu schnelles Suchen kann mit Leine korrigiert
werden, aber alles nur mit Ruhe und ohne daß der Hund hektisch wird.
Wird eine Korrektur
erwartet, ist es wichtig, daß noch in jedem Tritt Futter liegt.
Ca. 1 Jahr wird in jeden
Tritt Futter gelegt, es wird in weichem Acker gesucht. Ab und zu auch mit etwas
Gras. Ca. 10 Wochen vor der Prüfung wird das Futter auf 3 - 4 Schritte auf 2
oder 3 Schenkeln weggelassen. Dies macht man einige Male. Beherrscht er auch
dieses, 6 Wochen vor der Prüfung enthält der komplette 1. Schenkel und Winkel
kein Futter. Normalerweise übersteht er dies gut und lernt dabei, daß wenn er
lange genug einer Fährte folgt, er am Ende doch noch Futter findet. Dies machen
wir einige Male dazwischen aber immer wieder komplette Fährte mit Futter. Dies
machen wir, bis der Hund SCH3 hat (Alter 3 – 4 Jahre). Dann gehen wir von heute
auf morgen dazu über, kein Futter außer am Gegenstand, selben auf der Fährte.
Er wird wahrscheinlich schneller werden, dies korrigieren wir in wenigen Fällen
mit der Leine.
Der Gebrauch von Futter in
der Ausbildung hat einige Vorteile gegenüber der Ausbildung über den
Beutetrieb. Das Futter dient uns als Bezugspunkt mit dem man die Bewegung und
Position ohne jegliche Zwangseinwirkung genau bestimmen kann. Diese Art von
Manipulation ist mit der Beute wesentlich schwieriger zu erreichen. Mit Hilfe
des Futters kann man die Stimmung des Hundes besser kontrollieren als mit der
Beute. Ständiges Füttern stabilisiert und beruhigt den Hund, wobei die
Zurückhaltung des Futters seinen Eifer verstärkt. Es gibt uns die Möglichkeit
den Hund zu belohnen ohne die Arbeit zu unterbrechen und das Verhalten des
Hundes zu jeder Zeit genau zu formen. Im Gegensatz hierzu verlangt die
Belohnung mit Ball oder ähnlichem die Freigabe des Hundes und unterbricht
dadurch die Übung, wobei sich die Erregung des Hundes sehr schnell und so stark
bilden kann, daß die Kontrolle schwer fällt. Futter gibt uns ein ausgeglichenes
Niveau der Motivation.
Die Art des Futters ist
sehr wichtig. Es muß vom Hund sehr gern gefressen werden und so weich sein, daß
er es ohne zu kauen schlucken kann. Bewährt haben sich kleine Wurststücke in
der Größe eines Fingernagels.
heidende Faktor beim
Üben mit Futter ist der Zeitpunkt der Belohnung. Um ein gewünschtes Verhalten
zu bestärken, muß das Futter während des Verhaltens oder ganz kurz danach
gegeben werden. Deshalb ist es wichtig, daß es schnell zur Hand ist.
Vorteilhaft ist die Benutzung von Gürteltaschen oder sogenannte
Trainingsjacken, in denen das Futter schnell greifbar ist.
Bevor man anfängt
gezielt zu üben, sollte man seinen Hund aus der Hand füttern können, ohne daß
dabei Futter auf den Boden fällt, dies würde seine Aufmerksamkeit sonst nur auf
den Boden lenken.
Diese Übungen haben nichts
mit dem formalen Üben zu tun, sind aber eine sehr wichtige Voraussetzung.
Man fängt damit an, daß
der Hundeführer aufmunternd und freudig zu einem bestimmten Punkt auf dem Platz
läuft. Dort angelangt nimmt er Futter aus der Tasche und macht den Hund darauf
aufmerksam. Es sollte so sein, daß man den Hund vor dem Bauch langsam
rückwärtsgehend füttert. Fängt der Hund an zu fordern, indem er anstößt,
belohnt man dies durch noch mehr Futter. Dieses "Treiben" dauert nur
ein bis zwei Minuten und wird beendet, indem man den Hund durch ein Hörzeichen
und gleichzeitiges Hochreißen der Arme freigibt. Anschließend spielt man kurz
mit dem Hund und führt ihn vom Platz. Beim nächsten mal bringt man den Hund
genau wieder an die selbe Stelle auf dem Übungsplatz, fängt er an durch Blicke
oder Anstoßen der Hände zu fordern, haben wir eine wichtige Grundlage in der
Ausbildung nach G. Dildei erreicht. Sofort wird dieses "Treiben"
wieder mit Futter bestätigt. Durch das langsame Rückwärtsgehen steigert man im
Hund die Annäherung zu seinem Besitzer. Immer noch sind die Übungseinheiten
sehr kurz, mit dem selben Abschluß, dem Freigeben des Hundes.
Kann sich ein Hund,
weil er etwa zu jung ist, nicht über die ganze Zeit konzentrieren, besteht die
Gefahr ihn durch ansprechen zur Aufmerksamkeit zu veranlassen, also zu locken.
Unser Ziel ist es aber ohne jegliche Worte eine Aufmerksamkeit zu erreichen,
wobei es scheint, daß der Hund einen mit seinen Blicken zu durchdringen
versucht um dadurch Futter zu erhalten. Der Hund soll selbst agieren und nicht
auf Locken reagieren.
Ein Hund der gelernt hat
sich an der Unterordnung zu erfreuen und die Initiative ergreift um seine Belohnung
zu erhalten, wird ein Gefühl der Kontrolle haben. Er wird seinen Führer aktiv
"treiben" um Futter zu erhalten. 1.)
Zeigt der Hund auf dem
Übungsplatz Interesse und orientiert sich spontan an seinem Besitzer, sind die
Weichen für ein formales Training gestellt.
Diese Übung beginnen wir
anfänglich nicht mit der sogenannten Grundstellung, sondern lassen uns vom Hund
wieder einige Meter rückwärts treiben und drehen uns dann zum Hund in die
Fußposition. Dies geschieht sehr langsam, so daß man den Hund nicht verliert,
erst mit zunehmender Gewöhnung wird die Bewegung dann schneller. Der
Hundeführer bewegt sich in Fußposition in einem sanften Rechtsbogen.
Um während des Übens
eine natürliche, korrekte Haltung einzunehmen, wird grundsätzlich das Futter
mit der linken Hand gegeben. Diese befindet sich so am Körper, daß es dem Hund
möglich ist, während des Fußgehens in die Hand zu treiben und das Futter zu
nehmen.
Konzentriert sich der
Hund einmal nicht nach dem Hundeführer, sollte das Futter nicht nachgereicht
werden, dies würde den Hund nur für schlechtes Verhalten in falscher Position
belohnen. Man ignoriert dies und wartet bis der Hund wieder von selbst treibt
und gibt ihm dann wieder Futter.
Nach nur ein paar wenigen
Schritten des korrekten Fußgehens wird der Hund mit dem entsprechenden
Hörzeichen wieder freigegeben. Dies ist enorm wichtig! Dadurch lernt der Hund,
wann er konzentriert arbeiten muß und wann nicht. Es zeigt ein klares Ende der
Übung an. Der Hundeführer sollte sich dabei lebhaft bewegen und dem Hund
erlauben ihn anzuspringen.
Nach einigen Übungsstunden
wird sich der Hund erwartungsvoll an unsere linke Seite begeben. Wir sind jetzt
soweit, daß man zu etwas formaleren Übungen übergehet. Das Kreislaufen wird
jetzt mehr und mehr durch Geraden ersetzt. Die Übung beginnt immer am selben
Punkt auf dem Platz. Dort wird der Hundeführer durch ein bis zwei Drehungen die
Aufmerksamkeit des Hundes gewinnen und dann für ca. zwei Minuten die
Leinenführigkeit üben. Dies sind einige kurze Geraden unterbrochen von
Doppelrechtwendungen. Wie diese Wendungen ausgeführt werden ist sehr wichtig,
sie sollen schnell, eng und ohne den Hund an der linken Seite zu verlieren,
gezeigt werden. So eine Wendung hängt von zwei Sachen ab. Von der
Aufmerksamkeit und der Geschicklichkeit des Hundes sich um den Hundeführer zu
bewegen. Der richtige Zeitpunkt ist richtig, wenn der Hund aufmerksam treibt
und muß deshalb sorgfältig gewählt werden. Anfänglich wird die Wendung so
langsam ausgeführt, daß der Hund seine Position nicht verliert. Um das
"Treiben" zu verstärken hält man kurz vor der Wendung das Futter
zurück. Bevor die Wendung ausführt wird, bewegen wir unsere linke Hand etwas
vor unseren Körper und erleichtern dadurch unserem Hund das Herumkommen. Nach
einigen Geraden mit entsprechenden Wendungen geben wir den Hund wieder frei und
gehen vom Platz.
Um im Hund eine gewisse
Erwartungshaltung aufzubauen, muß der Hund wissen was kommt. Deshalb vertritt
Dildei die Meinung, daß alle Trainingseinheiten immer nach dem gleichen Schema
geübt werden sollen. Weiß der Hund wann eine Wendung kommt, so kann er sich
darauf einstellen. Allerdings soll beim Üben die Trainingsstrecke verkürzt
werden. Soll bei einer Prüfung nach 50 Schritten eine Wendung gezeigt werden,
trainiert man mit 40 Schritten. Am Tag der Prüfung wird sich nach 40 Schritten
eine Erwartung einstellen und die Wendung optimal gezeigt werden.
Erst wenn der Hund
während der ganzen Leinenführigkeit volle Aufmerksamkeit zeigt, wird das Anhalten
mit eingebaut.
Zwischenzeitlich hat der
Hund sicherlich schon ein Sitz kennen gelernt. Nehmen wir etwas Futter, halten
es über seinen Kopf und führen es nach hinten, wird er sich setzen. Die Kunst
ist es, dies jetzt in der Fußposition zu erreichen. Diese Übung beginnen wir
wieder mit einer Geraden Fußtraining und warten bis die Aufmerksamkeit des
Hundes auf dem Höhepunkt ist. Dann führen wir die Hand etwas weg vom Körper, so
daß der Kopf des Hundes gerade vorwärts gerichtet ist. Mit dem zurückführen der
Hand über den Kopf, verlangsamen wir unsere Vorwärtsbewegung und halten an.
Korrekt ausgeführt wird sich der Hund gerade setzen. Durch ein bis zwei
langsame Schritte vor dem Sitz bereitet man den Hund auf diese Übung vor. Bevor
wir wieder Angehen warten wir wieder auf höchste Aufmerksamkeit, geben das
Hörzeichen Fuß und gehen an. Unaufmerksamkeit in der Grundstellung wird einfach
ignoriert, dadurch geben wir dem Hund das Gefühl der Kontrolle des Geschehens.
Nach vielen, vielen
Übungsstunden werden wir nach und nach alle formalen Übungsteile in die
Leinenführigkeit mit einbauen. Die Gangwechsel werden langsam eingefügt. Auch
die "Gruppe" dürfte keine Probleme darstellen. Obwohl die Leine
seither nicht zum Einsatz kam ist es für die Gewöhnung sinnvoll diese bis zum
jetzigen Zeitpunkt zu verwenden. Das Ableinen sollte flüssig und ohne
Unterbrechung der Übung geschehen.
Nur eines ist bis jetzt
noch nicht angesprochen worden, die Kehrtwendung. Diese Übung sollte erst gar
nicht versucht werden, bevor wir die volle Aufmerksamkeit des Hundes erreicht
haben und er gelernt hat den Hundeführer in der Doppelrechtswendung zu treiben
und er diese korrekt ausführt. Auch später wird die Doppelrechtswendung
häufiger geübt als die Kehrtwendung.
Wir beginnen diese
Wendung indem wir etwas Futter von der linken in die rechte Hand geben und
empfangen ihn wieder mit der linken in optimaler Fußposition und bestätigen
ihn. Später belassen wir des Futter in der linken, ziehen ihn damit vor unseren
Körper und drehen uns schnell nach links. Wichtig ist wieder die volle
Aufmerksamkeit des Hundes vor der Wendung.
Um diese Hörzeichen nicht
zu verwechseln übt Dildei diese wieder nach schablonenhaftem Schema. Wie in der
PO steht, kommen diese Übungen in einer festgelegten Reihenfolge. Deshalb übt
man das Sitz auch immer vor dem Platz. Durch dieses schemenhafte Üben weiß der
Hund immer welche Übung als nächste kommt, welches Hörzeichen er erhalten wird
und er zu reagieren hat.
Die Sitzübung wird
ausgeführt wie zuvor beschrieben, nur mit dem Unterschied, daß sich der
Hundeführer vor den Hund dreht und vor ihm stehen bleibt. So erreichen wir das
sofortige Absitzen. In dieser Position werden wir den Hund ca. 20 sec. füttern.
Hat sich der Hund durch das Füttern wieder beruhigt, dreht sich der Hundeführer
wieder zurück in Fußposition und verabreicht ihm wieder einige Stücke Futter um
ihn weiter zu beruhigen. Dann wird der Hund freigegeben und wir spielen kurz
mit ihm. Diese Übungsfolge machen wir zwei bis drei mal, aber immer vom selben
Punkt aus und in gleicher Richtung.
Später werden wir dem
Hund lehren ruhig sitzen zu bleiben, während wir uns von ihm entfernen. Anfangs
reicht eine Leinenlänge, wobei wir den Hund ständig rückwärtsgehend beobachten.
Später wird der Hund das Sitzkommando erwarten auch ohne daß wir uns umdrehen.
Schritt für Schritt wird das kurze Anhalten abgebaut, so daß er auch ohne diese
Hilfe sicher absitzt. Im Moment ist es wichtig, daß wir den Hund für schnelles
Absitzen belohnen. Dies erreichen wir indem wir uns nach dem Absitzen nur
einige wenige Schritte entfernen, dann zum Hund zurückgehen, ihm etwas Futter
geben und uns dann weiter entfernen.
Durch ständig
gleichbleibende Entwicklung wird der Hund das Sitz schon erwarten, dies wird
die Übung erleichtern aber auch das Problem eines vorzeitigen Absitzens
hervorrufen. Deshalb bedient sich Dildei zweier Hilfsmittel. Zum einen muß die
Entwicklung in der Prüfung zum Sitz ca. 10 / 12 Schritte betragen. Wenn wir allerdings
immer nach 10 Schritten das Hörzeichen geben, wird der Hund schon nach sieben
bis acht Schritten das Sitz erwarten. Gottfried empfiehlt im Training erst nach
ca. 14 Schritten das Sitzkommando zu geben, dadurch wird der Hund in der
Prüfung bei ca. 10 Schritten noch aufmerksam bei Fuß gehen. Zum anderen sollte
der Hundeführer dann und wann anstatt eine Sitzübung zu machen, den Hund bis
zum Platzende mitnehmen und ihn dort freigeben.
Erst wenn die Sitzübung
vollkommen zufriedenstellend gezeigt wird und wir uns vom Hund entfernen können
wird das Platz geübt. Während wir das Platz üben wird das Sitz nur noch ein mal
pro Übungseinheit gezeigt. Die Entwicklung zum Platz ist die selbe wie zum
Sitz, nur in entgegengesetzter Richtung, dieser Richtungswechsel wird dem Hund
das Platz erleichtern. Um das Platz schnell zu zeigen bedarf es einiger
gymnastischer Fähigkeiten des Hundes. Er sollte sich nicht zuerst setzen und
sich dann ablegen, sondern in sich zusammenfallen. Dieser Bewegungsablauf muß
zuvor in anderer Umgebung geübt werden. Um die richtige Technik zu lehren, muß
der Hund dies aus dem Stand oder einer langsamen Bewegung ausführen und nicht
aus dem Sitz. Indem der Hundeführer seine mit Futter gefüllte Hand unter den
Fang des Hundes führt und von dort herunter und zurück, als ob er es zwischen
die Ellenbogen des Hundes auf den Boden legt, kann er den Hund schnell und
effektiv in ein Platz zusammenfallen lassen. Das ruhige Verweilen in dieser
Position erreichen wir durch ständiges Füttern. Um die gleiche Technik beim
Platz aus der Bewegung zu erreichen, gibt der Hundeführer nach ca. 15 Schritten
das Kommando Platz und führt seine mit Futter gefüllte linke Hand zurück unter
die Brust des Hundes. Sobald der Hund liegt wird er gefüttert indem man Futter
zwischen seine Vorderläufe legt, dies wird ihn im Platz stabilisieren. Nachdem
der Hund ruhig geworden ist, bringt man ihn ins Sitz (Grundstellung) befreit
ihn und spielt mit ihm. Um ein vorzeitiges Aufsitzen zu vermeiden, wirft man
immer wieder einige Futterstücke zwischen die Vorderläufe und gibt ihm dann
erst das Sitzkommando. Dies macht man wieder zwei bis drei mal immer in
gleicher Richtung und immer vom gleichen Startpunkt aus. Das Entfernen vom Hund
übt man wie beim Sitz.
Anfangs ist es nicht
nur das Platzkommando das den Hund veranlaßt sich abzulegen. Es sind vielmehr
eine Kombination verschiedener Aktionen des Hundeführers. Später ist es
notwendig all diese Hilfen langsam abzubauen insbesondere die Bewegungen der
Schulter, des Kopfes und der Hände. Ziel ist es, unsere natürliche
Vorwärtsbewegung beizubehalten während der Hund das Platz ausführt. Die einzige
Ausnahme wird das hinunterwerfen des Futters zu den Vorderläufen des Hundes
sein. Erst viel später, wenn das Platz sehr schnell ausgeführt wird, können wir
das Platz ohne Futter ausführen.
Wenn wir bis jetzt gut und
geduldig geübt haben und der Hund eine Arbeitsfreude zeigt, sollte Ungehorsam
ein Fremdwort sein. Fehler können immer noch vorkommen, jedoch keine grobe Ungehorsamkeit.
Sehr genau wird zwischen Fehler und Ungehorsamkeit unterschieden. Ein Fehler
ist, wenn der Hund wirklich versucht eine Übung auszuführen jedoch durch eine
momentane Erwartung oder Verwirrung ein anderes Verhalten zeigt und wird nicht
bestraft sondern nur ignoriert. Die Übung wird unter leicht geänderten
Voraussetzungen nochmals neu gemacht. Zeigt der Hund jedoch ständig
Unaufmerksamkeit ist das der einzige Ungehorsam nach Dildei‘s Meinung. Wurde
ständig und richtig nach seiner Methode ausgebildet dürfte dies nicht der Fall
sein. Deshalb wird hier noch nicht auf die Korrektur solcher Verhaltensweisen
eingegangen. Zeigt der Hund bei der Übung Sitz aus der Bewegung ein Platz, ist
es ein grober Fehler des Hundeführers, zornig zu werden und den Hund grob ins
Sitz zu bringen. Gerade dieses Verhalten würde den Fehler im Hund so einprägen,
daß er an nicht mehr anderes denkt und dadurch immer mehr Fehler zeigt. Statt
dessen sollte der Hundeführer ruhig aber schnell zum Hund zurückgehen, ihm ein
Sitzkommando geben und ihn mit Futter bestätigen. Danach wird die Übung einfach
nochmals ausgeführt. Tritt der Fehler erneut auf, überprüft man sein eigenes
Verhalten und ändert dies ggf. . Dildei sagt, korrigiere dich und nicht den
Hund! Der wichtigste Faktor in seiner Ausbildung ist nicht das Korrigieren von
Fehlern, ja nicht mal das Bestätigen von richtigem Verhalten, sondern die
erfolgreiche Ausführung überhaupt!
Der Helfer verhält sich
möglichst ruhig und passiv. Dies bewirkt mehr Aktivität im Hund. Er bestimmt,
was geschieht. Der Hund arbeitet den Helfer, nicht der Helfer den Hund.
Der Hund erhält so ein
Gefühl der Kontrolle, was auf dem Platz geschieht. Jede Übung ist so aufgebaut,
daß der Hund derjenige ist, der die Aktionen auslöst. Traditionell wurde der
Hund durch das Überlassen der Beute bestätigt. Sie wurde ihm vom Hundeführer
wieder abgenommen, und wenn der Helfer fertig war, ging es weiter. Dildei
meint, daß dies verkehrt sei, denn dabei ist der Hund nicht aktiv, sondern er
wird sich nur verteidigen, er reagiert statt daß er agiert. Um zu erreichen,
daß der Hund agiert, muß das Training anders aufgebaut werden. Wir müssen dem
Hund möglichst viel Kontrolle geben. Wurde der Hund mit der Beute bestätigt,
kann er sie so lange im Fang halten, wie er möchte. Der Helfer zieht sich dabei
zurück und wartet, bis der Hund den Arm fallenläßt. Man gibt dem Hund so viel
Zeit, wie nötig, damit er den Arm freiwillig abgibt. Sobald dies geschieht,
geht der Helfer zum Hund zurück und fährt fort. Dies gibt dem Hund Macht und
läßt ihn agieren. Er verteidigt sich nicht nur, sondern er fordert den Helfer
auf, indem er den Arm abgibt. Schritt für Schritt bildet sich im Hund ein
Gefühl der Kontrolle darüber, was im Training vor sich geht. Dies gibt dem Hund
einen Anreiz, den Arm freiwillig abzugeben, anstatt um die Beute zu kämpfen.
Dies ist ein sehr großer Vorteil.
So geübt, braucht man
keinen Zwang bei der Ausübung. Der Hund hat gelernt, daß der Helfer erst wieder
aktiv wird, wenn er ausläßt. Es gibt keinen Ungehorsam, da es keine Befehle
gibt.
Der Hund läßt gerne aus,
man muß ihn nicht zwingen. Er kann so ruhig und mit klarem Kopf aber dennoch
trieb- und energievoll arbeiten.
Dildei meint, daß ein Welpe
oder Junghund nicht genügend mitbringt, um dem Kampf von seiner Seite etwas
hinzuzufügen. Der Helfer muß dadurch mit viel Aktivität ausgleichend einwirken.
Der Hund gewöhnt sich so an die ausgleichenden Aktionen und sie verlieren mit
der Zeit ihren Effekt. Er wird davon abhängig und benötigt diese, um Trieb zu
bilden. Die andere Möglichkeit ist, daß der junge Hund überreizt wird und Streß
erzeugt. Je jünger ein Hund ist, desto größer ist die Gefahr, daß er in einen
hektischen Zustand versetzt wird. Wenn der Hund im jungen Alter häufig
überreizt wird, kann dies oft zu einem chronischen Problem werden. Der Helfer
oder auch Streß erzeugt dann Hektik, die sich besonders auf das Beißverhalten
auswirken wird. Hunde, die in einem Alter von weniger als 9 Monaten im
Schutzdienst trainiert werden, sind häufig im Alter von einem Jahr maßlos
hektisch oder abgestumpft. Selbst nur das Beobachten anderer Hunde im
Schutzdienst kann sich auf Welpen schädlich auswirken.
Wenn der Hund erwachsen
ist, und dies ist nicht eine Frage des Alters, sondern der Reife. Er muß
physisch und mental reif sein. Er sollte wenigstens Ansätze eines sozialen
Dominanzverhaltens zeigen. Ein ausgeprägter Beutetrieb reicht nicht aus. Wenn
ein Hund bei Bedrohung Wehrverhalten zeigt, ist das noch nicht unbedingt ein
Zeichen der Reife. Es soll eine Selbstsicherheit sein im Falle einer
Konfrontation. Wir machen den Hund mit dem Schutzdienst bekannt, indem wir ihn
bei einem anderen Hund zusehen lassen. Jedoch nicht vor 14 – 16 Monaten. Der
auf dem Platz arbeitende Hund soll sicher und triebvoll agieren, aber nicht
überreizt. Der zusehende Hund soll das Geschehen ca. 1 – 2 Minuten an der Leine
beobachten. Wenn es machbar ist, sollte zwischen ihm und dem Platz ein Zaun
sein. Der Hund muß sich interessiert zeigen. Wenn er dies nicht tut, so ist er
noch nicht erwachsen genug und wird dann für einige Wochen zurückgestellt.
Zeigt der Hund Interesse, lassen wir ihn 1 – 2 Minuten zuschauen, dann ziehen
wir ihn vorsichtig an der Leine vom Platz. Die physische Einwirkung durch das
Halsband beim Wegziehen wird den Trieb noch erhöhen. Wenn der Hund nach einigen
Übungsstunden reges Interesse zeigt, kann man ihn direkt in die Handlung mit einbeziehen.
Dies geschieht aber immer noch an derselben Stelle hinter dem Zaun. Der Helfer
nähert sich ihm und arbeitet ihn am Zaun. Der Zaun hat den Vorteil, daß er den
Hund zurückhält, so daß man nicht mit Leine und Halsband auf ihn einwirken muß.
Dieses Gezerre an der Leine lenkt nur den Hund vom eigentlichen Geschehen ab,
so daß er sich nicht auf den Helfer konzentrieren kann. Weiter hat es den
Nachteil, daß der Hund davon abhängig wird und dies braucht, um Trieb zu
entwickeln. Der wohl größte Vorteil des Zauns ist, daß er dem Hund ein Gefühl
der Sicherheit gibt. Dadurch kann der Helfer gezielter angreifen und verringert
die Gefahr der Hektik und des Zurückweichen des Hundes. Ohne Zaun ist der
Helfer gezwungen, den Beutetrieb anzuregen und somit die Bedrohung vom Hund zu
nehmen. Das würde allerdings den Hund in eine falsche Verfassung versetzen und
verlangt ein Übermaß an Aktionen seitens des Helfers. Dildei hält es für
wichtig, daß der Schutzdienst realistisch dargestellt wird. Die Arbeit im
Schutzdienst sollte sich auf eine natürliche Aggression stützen und nicht auf
Beute- oder Spieltrieb oder auf Aggression, die durch Frustration hervorgerufen
wird. Deshalb ist es wichtig, daß der Hund erwachsen ist. Daß er bereit ist,
solche Aggression zu zeigen.
Dildei ist der Meinung, daß
die erste Erfahrungen, egal wobei, den Hund in diesen Situationen beeinflussen
werden. Deshalb sind die anfänglichen Übungen so wichtig. Daher sollte dabei
ein erfahrener Helfer eingesetzt werden. Er muß eine verdächtige und auch verunsicherte
Person spielen können. Wird dies anfänglich - ohne den Hund in Angst oder
Hektik zu versetzen - gemacht, so ist das eine gute Grundlage für den weiteren
Schutzdienst.
Der Helfer startet aus
einem Versteck heraus und reizt den Hund, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn der Hund aggressiv oder alarmiert reagiert, zieht sich der Helfer wieder
in das Versteck zurück. Hat der Hund einige Male gebellt, tritt der Helfer aus
dem Versteck heraus und wird sich dem Hund drohend nähern. Zeigt der Hund
Reaktion, zieht sich der Helfer immer wieder etwas zurück. Der Helfer führt
eine Juterolle mit sich. Da der Hund diese nicht kennt, wird daraus auch kein
Beutetrieb entstehen.
Während der Helfer hinter
dem Zaun agiert, verhält sich der Hundeführer absolut ruhig, er lobt und
berührt den Hund nicht. Innerhalb von ca. 1 Minute hat sich der Helfer vom
Versteck aus dem Hund/Zaun genähert. Zeigt der Hund in diesem Moment ein
gewünschtes Verhalten, gibt ihm der Helfer einen Anbiß über den Zaun.
Der Hundeführer rennt mit
seinem Hund zum Auto oder der Box, verhält sich immer noch ruhig und berührt
den Hund nicht. Der Hund behält die Beute so lange, bis er sie freiwillig
fallenläßt. Der Hundeführer beeinflußt ihn dazu nicht. Der Hund darf niemals
auf die Idee kommen, daß der Hundeführer mit ihm um die Beute streiten will,
dies würde einen Konflikt erzeugen. Ein Konflikt entsteht dort, wo zwei
verschiedene Kräfte aufeinanderstoßen. Dies können 2 physische Kräfte sein, wie
das Ziehen und Zurückziehen aber auch 2 psychische Kräfte, wie das Verlangen
des Hundes nach trieblicher Befriedigung und das Vermeiden von Schmerz. Man
sieht dies sehr häufig in traditionellen Ausbildungsmethoden. Dort wird der
Hund sehr oft in eine Konfliktsituation gebracht. Auf der einen Seite das
Verlangen nach Beißen auf der anderen Seite das Bewußtsein, auslassen zu
müssen, um Schmerzen zu vermeiden. Dieser Konflikt führt zu einem hektischen
und unkonzentrierten Verhalten. In diesem Zustand ist es schwer für den Hund,
klar zu denken und auch schwer zu lernen und seinen Trieb zu kanalisieren, ihn
auf das richtige Ziel auszurichten. Statt dessen wird seine Energie überkochen,
sie wird verschwendet und zeigt sich meist in Ersatzhandlungen. Wenn wir in den
ersten Übungsstunden versuchen, dem Hund die Beute gewaltsam wegzunehmen, wird
dies einen Konflikt auslösen und ihn in einen hektischen Zustand versetzen. Die
Auswirkungen dieses Stimmungswechsels sind vielfältig. Zum einen wird der Hund
seinen Führer als Konkurrenten in der Beißarbeit ansehen, statt eines
Verbündeten. Später wird, jedesmal, wenn sich der Führer seinem Hund nähert,
dieser hektisch werden und versuchen, sich gegen alle Einflüsse zu wehren, sich
jeglicher Kontrolle zu widersetzen.
Wenn der Hund hektisch ist,
wird er oft schlecht beißen - ohne vollen Griff. Um ihn aber zu einem vollen,
sicheren Griff zu veranlassen, benötigen wir einen Hund mit klarem Verstand und
gezieltem Trieb. Und schließlich, wenn wir den Hund zum Ausmachen gezwungen
haben, wird er hektisch beim Aus. Er wird nicht sauber und ruhig ablassen. Wenn
der Hund mit klarem Verstand arbeitet, trieblich ruhig und gezielt, wird er von
der Beute ruhig und relativ schnell ablassen. Dies ist die Basis für ein
korrektes Aus. Wenn wir den Hund mit Gewalt vom Arm abbringen, wird er dieses
normale Aus nicht erlernen. Er wird sich zunehmend gegen das Aus wehren wollen
und beginnt schließlich, sich dem Hundeführer zu widersetzen. Wenn der Hund
einige Male in solch eine Situation gebracht wird, wird er später immer dann,
wenn es zum Auslassen kommt, grundsätzlich den Konflikt spüren, er wird
hektisch werden und sich widersetzen.
Wenn der Hund nach einiger
Übungszeit gut beißt, kann man dann 2 oder 3mal beißen lassen. Hat der Hund
gebissen führt ihn der Hundeführer weg vom Helfer und überläßt ihm den Arm, bis
er diesen freiwillig abgibt. Zeigt der Hund einen harten Biß, ist es Zeit, ihn
mit dem Beißarm bekanntzumachen. Wenn der Schutzdienst wie zuvor beschrieben
geübt wurde, zeigt der Hund auch hier keine Probleme.
Nach einigen weiteren Übungsstunden
wird der Hund nun direkt auf den Platz gebracht, ohne Zaun zwischen Hund und
Helfer. Am besten trainiert man diese Situation, indem man dem Hund wie gewohnt
einen Anbiß über den Zaun gibt und dann mit dem Arm im Fang des Hundes auf den
Platz läuft. Nachdem der Hund den Arm wie gewohnt ausgelassen hat, geben wir
ihm noch 2 – 3 Anbisse. Nach jedem Anbiß wird der Hund weg vom Helfer geführt,
bis er freiwillig abläßt. Erst dann kehrt der Helfer zurück und fährt mit der
Arbeit fort. Die Übung wird beendet, indem man den Hund mit dem Arm im Fang zur
Box führt, wo er freiwillig abgibt.
In den Anfängen des
Trainings werden alle Anbisse hinter einem Zaun oder an der langen Leine
ausgeführt. Wir sollten dann aber so schnell als möglich zu Beißhandlungen
übergehen, bei denen der Hund frei und uneingeschränkt ist. Traditionell wird
dies durch Weglaufen oder Fluchtanbisse erreicht. Dies ist aber für den Hund
ganz anders als wenn der Helfer den Hund direkt angreift. Deshalb sieht Dildei das
Trainieren dieser Fluchtübung als reine Zeitverschwendung. Er ist der Meinung,
daß man eine Übung benötigt, die 3 Anforderungen erfüllt.
1. Der Hund muß die
Möglichkeit haben, sich frei zum Anbiß zu bewegen
2. Er muß bei der Übung
einen korrekten Bewegungsablauf erlernen, so daß er jeden frontalen Anbiß aus
vollem Lauf mit einem guten, vollen Griff sicher übersteht und letztlich müssen
wir erreichen,
3. daß der Hund ohne zu
zögern angreift.
Dieser frontale Anbiß wird
ohne Unterstützung auf sehr kurzer Distanz geübt. So daß der Hund in 1 bis 2
Sätzen den Arm erreichen kann. Dies oft auf diese Weise trainiert, erreicht,
daß der Hund diese Technik des Reingehens dann später bei der Mutprobe genauso
anwendet.
Der Hundeführer hält den
Hund an der Leine. Der Helfer wird den Hund leicht anreizen und bedrohen. Der
Schutzarm ist dabei an der Seite oder hinter dem Körper. Jegliche Hektik muß
vermieden werden. Wenn der Helfer im Hund das gewünschte Verhalten sieht, nickt
er mit seinem Kopf und gibt dadurch das Zeichen für den Anbiß. Der Führer läßt
den Hund los. Der Helfer bewegt sich dabei nicht von der Stelle, er soll bis
zum Schluß eine drohende Haltung einnehmen und kurz vor dem Anbiß den Arm nach
vorne bringen und den Hund abfangen. Sofort wenn der Hund den Arm gefaßt hat,
bestätigt der Helfer den Hund durch Überlassen des Arms. Der Helfer fährt mit
der Übung erst wieder fort, wenn ihm der Hund, wie gewohnt, dazu das Zeichen
gibt, indem er den Arm freiwillig abgibt. Ein sehr wichtiger Punkt ist in dieser
Übung die Distanz zwischen Hund und Helfer, sie muß so gewählt sein, daß der
Hund kraftvoll abspringen kann und so den Arm erreicht.
Traditionell wird der Hund
nach dem Anbiß bedrängt und mit ihm zur Belohnung gekämpft. Dildei ist der
Meinung, daß dies unnötig ist und den Hund eher abstumpft. Der Zeitpunkt, bei
dem der Hund belohnt werden soll, ist der Anbiß selbst. In diesem Moment ist
der Hund am stärksten und genau hier soll er bestätigt werden, indem wir ihm
den Arm übergeben. Für den Großteil der Übungen sind die eigentlichen
Handlungen extrem kurz. Diese frontalen Angriffe sollen ca. 4 x geübt werden,
um dann den Hund anschließend wieder wegzubringen. Wenn dies so einige Wochen
geübt wurde, zeigt der Hund einen energievollen und harten Anbiß ohne zu
zögern.
Jetzt ist der Zeitpunkt
gekommen, wo man mit dem Stellen und Verbellen beginnt.
Traditionell wird der Hund
im Versteck durch Leine und Stachelwürger vom Beißen abgehalten, bzw. dafür vom
Helfer bestraft.
Jede Übung beginnt mit 2
oder 3 frontalen Angriffen. Danach geht der Helfer ins Versteck und hält den
Arm so zwischen sich und das Versteck, daß ihn der Hund nicht erreichen kann.
Der Hundeführer gibt den Hund frei, der zum Versteck läuft und dort den
stillstehenden und leicht bedrohenden Helfer vorfindet. Diese Situation
verunsichert den Hund, so daß er zu bellen anfängt. Sobald der Hund 1 oder 2
mal gebellt hat, bringt der Helfer den Arm vor die Brust, läßt den Hund
anbeißen und bestätigt ihn sofort. Auch hier wartet der Helfer so lange im
Versteck, bis der Hund den Arm freiwillig abgegeben hat, tritt dann heraus,
holt den Arm und begibt sich zur nächsten Stell- und Verbellübung wieder ins
Versteck. Dies wird 2 – 3 mal pro Training wiederholt. Grundsätzlich wird die
Übung mit 1 oder 2 frontalen Angriffen und dem Übergeben des Armes abschließen.
Die Aufgabe des Helfers ist es, durch den Anbiß im entsprechenden Moment die
Stell- und Verbellübung in die gewünschte Form zu bringen.
Wichtig ist auch, daß man
mit dieser Übung nicht zu spät beginnt, damit der Hund noch nicht stark genug
ist und kontrolliert im Versteck beißt. Hat man diesen Zeitpunkt verpaßt oder
ist
der Hund zu stark, wird
er an der Leine langsam ans Versteck herangeführt und wie oben beschrieben
fortgefahren. Der Helfer bestätigt das Bellen erst, wenn die Leine locker ist.
Traditionell mit das größte
Problem, wo der Hund mit Leine und Stachelwürger zum Aus gezwungen wird. Nach
der Methode von Dildei hat der Hund schon immer gelernt, daß er durch Abgeben
des Arms den Helfer zu weiteren Aktionen auffordern kann. So macht es ihm auch
keine Probleme, von einem stillstehenden Helfer abzulassen.
Wieder beginnen wir mit 2 –
3 frontalen Angriffen, dann wird der Hund zum Stellen und Verbellen ins
Versteck geschickt. Das Ende der Übung wird aber nicht das Übergeben des Armes
sein. Der Helfer wird den Hund kurz am Arm arbeiten und ihn dann wieder sanft
ins Versteck ziehen. Dort bringt er den Arm in eine normale Position und bleibt
still stehen. Dies benötigt einiges an Kraft, nach mehr oder weniger langer
Zeit wird der Hund ablassen und wieder in ein Stell- und Verbellverhalten
kommen. Während dieser Zeit bleibt der Hundeführer möglichst außer Sicht, redet
nicht mit dem Hund und berührt ihn nicht. Die Aufgabe des Helfers ist es, dem
Hund durch das eigene Verhalten zu helfen. Hat der Hund einige Male gebellt,
wird er durch einen Anbiß mit Übergabe des Arms bestätigt. Der Hund lernt so
nach und nach, daß er erst wieder zum dem Arm kommt, wenn er ihn für kurze Zeit
freigibt. Da es aber kein Aus im Versteck sondern nur auf dem freien Platz
gibt, muß dies entsprechend überbrückt werden. Dildei wartet dazu recht lange.
Der erste Schritt zur
Überbrückung ist, daß der Helfer den Hund zum Aus nicht ins Versteck zieht,
sondern auf die Rückseite, so daß der Hund das immer noch als Denkanstoß für
das Aus hat. Klappt dies, wird das Aus Schritt für Schritt weg vom Versteck auf
den Platz verlagert, so daß der Hund an jedem Ort ein sicheres Aus zeigt.
Angefangen wird dies, indem
der Hund von der Stell- und Verbellübung, wenn der Helfer schon außer Sicht im
Versteck ist. Wir verlangen, bevor wir ihn schicken, ein Sitz mit Augenkontakt.
Zeit er dies, wird er zu Belohnung geschickt. Dieses Sitz wird nach und nach
perfektioniert. Zeigt der Hund keinen Augenkontakt, gibt man dem Hund ein
Fußkommando und läuft weg vom Helfer. Zeigt der Hund jetzt Augenkontakt, macht
man eine 180 °-Wendung. Diese Wendung ist schon Bestätigung für das
Hochschauen. Wir gehen mit dem Hund zum Ausgangspunkt zurück und geben ein
Sitzkommando. Schaut er hoch, geben wir ein Fußkommando, machen eine 90
°-Wendung zum Versteck und lassen erneut Absitzen. Schaut er hoch, schicken wir
ihn zum Versteck. Er wird dadurch aufmerksamer und leichter zu kontrollieren.
Klappt diese Übung, wenn der Helfer im Versteck steht, kann man ähnliche
Übungen auch mit sichtbarem Helfer machen. Ab und zu kann es notwendig sein,
dem Hund mit einigen Leinenruckern zu korrigieren, aber ohne ihn hektisch zu
machen.
Auch dies ist eine
Unterordnungsübung. Bis zu diesem Zeitpunkt haben alle Stell- und
Verbellübungen in ein und demselben Versteck stattgefunden und zwar im Versteck
Nr. 1. Der Hund lernt so, daß er immer im selben Versteck den Helfer antrifft
und ist somit gewillt, auch immer dieses Versteck anzulaufen. Die Übung beginnt
wieder mit 1 – 2 frontalen Angriffen. Wir lassen dann den Hund sehen, wie der
Helfer ins Versteck geht. Der Hundeführer beginnt seine Unterordnungsübungen
und gibt so dem Helfer die Möglichkeit, unbemerkt vom Versteck 1 nach 2 zu
wechseln. Der Hundeführer geht zum Ausgangspunkt zurück und schickt den Hund,
nachdem dieser ihm seine Aufmerksamkeit schenkt, zum Versteck. Beim leeren
Versteck angekommen, ruft ihn der Helfer zum anderen Versteck, läßt ihn bellen
und bestätigt ihn. Nach 2 – 3 solcher Übungen muß der Helfer aber wieder mal im
1. Versteck anzutreffen sein. Klappt dies sicher, lassen wir den Hund zusehen,
wie der Helfer ins Versteck 2 läuft. Wir sorgen jetzt aus kurzer Distanz dafür,
daß der Hund zum Versteck 1 läuft und dann erst zum Helfer. Dies geschieht an
langer Leine. Dies muß sehr oft geübt werden. Schritt für Schritt wird die
Distanz um 1 Versteck vergrößert. Es muß unbedingt vermieden werden, daß der
Hund ausbricht und den Helfer erreicht. Wenn der Hund Versteck 1 und 2 gut
annimmt, wird mit 3 und 4, 5 und 6 genauso verfahren. 5 und 6 sollten nicht so
oft geübt werden. Das Interesse muß bei den ersten 4 liegen. Als nächstes
werden die Versteckpaare verbunden. Es wird 2 und 3, dann 4 und 5 geübt. Es ist
wichtig, daß man immer in gleicher, korrekter Reihenfolge übt. So lernt der
Hund, wie er exakt zu laufen hat, um den Helfer zu erreichen.
Sehr spät in der Ausbildung
werden dann Seiten- und Rückentransport oder das Entwaffnen geübt. Dies darf
aber jetzt kein großes Problem mehr darstellen.
Beim Üben des frontalen
Anbisses ist darauf zu achten, daß der Helfer den Arm hinter seinem Rücken versteckt
und ihn erst kurz vor dem Anbiß nach vorne bringt. Es soll damit erreicht
werden, daß sich der Hund mehr am Helfer und weniger am Arm orientiert. Dies
führt zu einem besseren Griff in der Mutprobe.